Heimatlose Geister

Als kleines Kind sah ich Geister. Keine Ahnung, ob es sich um wirkliche Geister (was das wohl ist?) oder um ein Produkt meiner Einbildung handelte. Mit gesenkten Häuptern zogen sie wortlos an meinem Bett vorbei. Was wollten sie von mir? Wie konnte ich ihnen helfen? Ich hatte Angst.

Vielleicht spaziert auch mein Geist an einem Kinderbett vorbei, wenn ich so ganz entgeistert und selbstvergessen durch den Tag hetze, wenn ich mich verloren habe in irgendwelchen Rollen, Pflichten, Zielen, wenn ich vor dem Fernseher sitze oder gierig in mich hineinschlinge, was mir nicht gut tut, wenn ich verbissen um etwas ringe…

Vielleicht flößt auch mein Geist einem Kind Angst ein, wenn er so hoffnungslos getrennt ist von meinem Körper, von meinem Herzen, von meiner Stimme, in denen er Wohnung, durch die er Ausdruck finden sollte. Es scheint mir, als wären wir Menschen vor eine Entscheidung gestellt: Entgeistert oder begeistert zu leben.

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