WAHLKAMPF IST

Mein Freund Albert erzählte mir kürzlich den folgenden Witz (ob er wohl in geschriebener Form auch so wirkt?): Kommt jemand zum Bahnhofschalter und bestellt „Two tickets to Toulouse!“ Der Schalterbeamte sieht ihn verständnislos an und erwidert schließlich: „Ja freilich! Tätärätätäh!“

Das würde ich manchmal unseren Damen und Herren PolitikerInnen auch gerne entgegen rufen, wenn sie ihre stereotypen, auswendig gelernten Stehsätze aufsagen. Diese Floskeln sind die Waffen, mit denen sie sich gegenseitig bekriegen, das Fernsehen bildet den Circus Maximus, und das Volk, meinen sie, würde dem siegreichen Gladiator zujubeln.

Ein Teil des Volkes tut das tatsächlich, worüber ich mir immer wieder verwundert die Augen reibe. Ein immer noch großer Teil des Volkes denkt wohl vorwiegend in Kategorien von Konflikt, von Kampf, von Entweder-Oder, Gut-Böse, Himmel-Hölle. Nimmt das Ich als im Gegensatz zum Du, das Wir als im Gegensatz zum Ihr und zum großen Ganzen wahr. Der Überlebenskampf – das Gefühl zu wenig zu haben und zu wenig zu bekommen, das Gefühl von Gefahr, man würde verlieren – dieser innere Zustand von Überlebenskampf prägt nach wie vor das Wahrnehmen, Denken und Handeln vieler Menschen und ist ausschlaggebend für die Gier und die Maßlosigkeit, den Konkurrenzkampf und die Ignoranz des Einzelnen gegenüber dem größeren Ganzen, dessen Teil er ist, für jene Faktoren also, die die Welt in die Krise geführt haben, in der wir uns derzeit befinden. Obschon wir nicht mehr darüber hinwegsehen können, dass alles mit allem zusammenhängt, dass alles auf alles Wirkung hat, dass Mensch und Natur ein einziges großes Netzwerk bilden und das Schicksal des Einzelnen abhängt vom Wohlergehen des Ganzen. Trotz der Offensichtlichkeit, dass wir alle im selben Boot sitzen, hören wir nicht auf, bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegeneinander anzutreten und uns am Gegeneinander anderer zu ergötzen. Stimmt nicht.

Viele, viele Menschen haben aufgehört, die Politik, die Wirtschaft, die Religion, die Schule, die Beziehung zwischen Mann und Frau… als Schlachtfeld zu nutzen, ihre inneren Konflikte nach außen zu tragen. Viele, viele Menschen haben begonnen, sich gemeinsam mit anderen in den Dienst des größeren Ganzen zu stellen, dessen Teil sie sind. Viele, viele Menschen beziehen ein positives Selbstgefühl nicht mehr dadurch, dass sie sich gegen andere durchsetzen sondern durch den Beitrag, den sie für andere leisten. Und sie bringen diese Haltung auch politisch zum Ausdruck durch Nicht- oder Ungültigwählen. Sie wollen dieses Hickhack nicht durch ihre Stimme fördern. Inwieweit dies ein adäquates Zeichen ist, bleibt dem Einzelnen überlassen. Aber es ist sichtbar und spürbar eine Veränderung im Gang, eine Veränderung im Bewusstsein vieler Menschen, und diese Veränderung wird sich früher oder später auch in der politischen Kultur zeigen, in der unsere PolitikerInnen gefangen sind.

Mir ist es ein Anliegen, zum Ausdruck zu bringen, dass ich mir von den PolitikerInnen wünsche:

  • statt des sinnlosen Gegeneinander, ein Miteinander zum Wohle des Ganzen, unseres Staates und der Menschheit
  • statt inhaltsloser Gladiatorenkämpfe, interessante Zukunftsvisionen und plausible Wege, wie man dorthin gelangt
  • statt vergangenheitsbezogener Ideologien, zukunftsgerichtete Lösungsansätze
  • statt die Menschen gegeneinander aufzubringen, sie zusammenzuführen
  • statt der Versuche mich zu überzeugen, ehrliche, authentische Information, auf deren Basis ich eine Entscheidung zu treffen vermag
  • statt Streben nach Macht, sich in den Dienst stellen
  • statt Bevormundung das Ermöglichen, auf breiter Basis mitzugestalten
  • statt des Managens von Systemen, Sorge für die Menschen
  • statt Menschen, die sich gegen andere durchsetzen, solche die für andere da sind

Ich wünsche mir eine Politik, die von Herzen kommt und zu Herzen geht, eine Politik von Menschen für Menschen, eine Politik, die dem Einzelnen ebenso wie dem großen Ganzen Beachtung schenkt. Ich wünsche mir eine Politik, die meine Stimmung hebt wenn ich mich damit beschäftige, auf die ich stolz sein kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s