Stärken und Gemeinsamkeiten

Ganz bestimmt haben sie sie nicht gelesen, die deutschen Politiker, meine Blogs zu den Wahlen in Österreich und Deutschland. Trotzdem haben sie sich zusammengesetzt, um die Frage zu erörtern, was sie denn  gemeinsam hätten. Und siehe da, anscheinend entdeckten sie eine ganze Menge an Übereinstimmungen. Es lohnt sich, sich bei aller Unterschiedlichkeit, auf die Suche nach dem Gemeinsamen zu begeben. Das bedeutet keineswegs, die Unterschiedlichkeit unter den  Tisch zu kehren. Im Gegenteil, es bildet geradezu die Voraussetzung, mit der Unterschiedlichkeit konstruktiv umzugehen. Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf das Gemeinsame, dann schaffen wir Gemeinsamkeit. Richten wir sie auf das Trennende, schaffen wir Trennung. Das hat für jede Gemeinschaft Gültigkeit.

Darüber hinaus entnehme ich einem Interview, dass man sogar die Stärken des jeweiligen Partners herausgearbeitet hat. Ich meine, es wäre kein Geringerer als der Generalsekretär der CDU gewesen, von dem diese Bemerkung stammt. Das, nachdem man jahrelang nichts anderes als die Schwächen im jeweils anderen gesucht und hervorgehoben hat! Mehr noch, nachdem man über Jahre hinweg die eigene Identität aus der Gegnerschaft zum jeweils anderen abgeleitet hat! Weniger die eigenen Stärken, die eigenen Werte, der eigene Beitrag sondern die Abgrenzung gegenüber den anderen gab Antwort auf die Frage „Wer sind wir?“.

Schade, nicht wahr? Schade auch deshalb, weil die Basis wohl länger zum Umdenken brauchen wird. Egal, ob Schwarz, Rot oder Grün, es wird vielen Parteimitgliedern den Boden unter den Füßen wegziehen, wenn ihnen die bislang Identität stiftenden Feindbilder abhanden kommen.

Im Übrigen haben wir im amerikanischen Budgetstreit vorgeführt bekommen, wie unvernünftig Gegnerschaft ist. Und wie Ideologien, im Besonderen die religiös verbrämten, dieser Unvernunft Nahrung geben. Ideologien spalten. Sie spalten nicht nur die Menschheitsfamilie, sie spalten auch den einzelnen Menschen von sich selbst ab. In dem Maße, in welchem wir einer Ideologie anhängen, verlieren wir an Fähigkeit, uns selbst wahrzunehmen und unserem Herz zu folgen.

Und wir? Nachdem die Politiker vorübergehend aufgehört haben, uns mit ihren Konflikten zu blenden, dürfen wir uns selbst wieder in den Spiegel schauen, uns mit unseren eigenen Konflikten auseinandersetzen. Aber vielleicht finden wir ja auch Gemeinsamkeiten mit unseren Gegnern, vielleicht entdecken wir sogar Stärken, das Gute in ihnen, und vielleicht fällt es uns dann leichter zur Vernunft, zur Zusammenarbeit mit ihnen zu finden.

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