Die Welt ist, wozu wir sie machen

„Jooo, ich bin optimistisch, was die Zukunft der Menschheit anlangt.“, hab ich in meinem letzten Eintrag geschrieben. Klingt irgendwie großspurig, nicht? Wen interessiert das schon, ob ich optimistisch bezüglich der Zukunft der Menschheit bin? Und was ändert’s?

Also, ob ich optimistisch bin oder nicht, mag vielleicht nicht von großer Bedeutung sein. Den Begründungen für meinen Optimismus messe ich da schon ein größeres Gewicht bei. Sie könnten ja andere auch zu solchem veranlassen. Aber was geht eine völlig unbedeutende Figur wie mich die Menschheit an? Habe ich denn keine persönlichen Herausforderungen zu bewältigen, dass ich mir um die Probleme der Menschheit Gedanken machen muss? Wäre ich UNO Generalsekretär oder Präsident der USA oder der Kaiser von China …, aber ich hab’s ja nicht einmal zum Präsidenten von Botswana Land gebracht.

Und trotzdem komme ich mir so unvernachlässigbar wichtig vor. Mir kommt überhaupt jeder Mensch, jede Familie, jedes Unternehmen, jeder Staat, jede Religion unvernachlässigbar wichtig für das Schicksal der Menschengemeinschaft vor. Wir sind doch alle Teil von ihr. Und jeder dieser Teile hat Wirkung, ist ein Kraftwerk, das, solange es existiert, unaufhörlich etwas einspeist in das große Netzwerk der Menschheit. Aus dem, was wir da durch die Qualität unseres Denkens und Handelns einspeisen, ergibt sich das Schicksal der Menschheit, und dazu gehören auch mein und dein Schicksal und das Schicksal unserer Kinder und Enkelkinder. Es hat also nichts mit Größenwahn und Weltverbesserungsneurose zu tun, wenn wir uns wichtig nehmen, sondern mit Verantwortung, mit einer Verantwortung, die wir für das große Ganze haben, unabhängig davon, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht.

Ich bin nicht bereit, meinen Teil der Verantwortung an jemanden zu delegieren, weder an die Politik noch an den Papst oder die Banker, auch nicht an die Gesellschaft oder die große Masse der Menschheit. Für das, was ich an Wirkung durch mein Denken und Handeln erzeuge, bin ich selbst verantwortlich.

Viele Menschen setzen den Begriff der Verantwortung mit Schuld gleich. Ich halte das für wenig hilfreich, habe die Idee von Schuld aus meinem Denk- und Sprachschatz ersatzlos gestrichen. Unter Verantwortung verstehe ich das Bewusstsein, Ursache zu sein für alles das, was von mir ausgeht. Ich fühle mich nicht als Opfer sondern als Ursache. Und dieses Bewusstsein stellt mich vor die Herausforderung zu entscheiden, welche Wirkung ich erzeuge für mich selbst, für andere und das Ganze. Ich kann etwas bewegen. Ich bewege immer. Wichtig ist, dass ich mir klar werde, was ich bewege, und was ich, im Bewusstsein meiner Verantwortung dem Ganzen gegenüber, bewegen will.

„Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“, heißt es in der Bibel. „Sie wissen nicht, was sie tun“, das denke ich mir oft, wenn ich Menschen mutwillig Feindschaft säen erlebe, wenn ich sehe, wie sie es als einen Triumph feiern, wenn sie jemanden über den Tisch gezogen oder jemanden niedergemacht haben, oder wie sie sich als Opfer inszenieren, wie eine wandelnde Beschuldigung durch’s Leben gehen. Das alles hat Wirkung, und zwar nicht nur für die Betroffenen sondern darüber hinaus für das große Ganze. Beeindruckt bin ich dagegen von vielen jungen Menschen, die sich dieser Wirkung offensichtlich bewusst sind, obschon sie niemand darauf aufmerksam gemacht hat. Sie scheinen diese Verantwortung intuitiv wahrzunehmen und suchen, ihr gerecht zu werden. Es gibt so viele so großartige junge Menschen.

Wodurch erzeugen wir Wirkung? Dass wir durch unsere Handlungen wirken, ist offensichtlich. Aber nicht nur, was wir tun, wirkt, auch wie und aus welcher Motivation heraus wir es tun, hat Wirkung. Und nicht zuletzt ist es der innere Zustand, mit dem wir es tun, der wirkt. Tun wir etwas mit Freude, mit Kraft, mit Liebe wirkt es anders, als wenn wir es mit Widerstand oder Stress erledigen. Unsere Verantwortung bezieht sich also auf das Was und Wie unseres Tätigseins, und sie bezieht sich darüber hinaus auf die Motive und den Zustand unseres Seins. Alles das bestimmt, welche Qualität von Wirkung wir in das Netzwerk einspeisen. Und für alles das sind wir Ursache.

Eine falsch verstandene Verantwortung könnte uns dazu verleiten, gegen das Negative, das Zerstörerische, das Lieblose in dieser Welt anzukämpfen. In diesem Fall fügen wir der Negativität, dem Zerstörerischen und Lieblosen eine weitere Negativität, Destruktivität und Lieblosigkeit hinzu. Die Welt wird dadurch nicht besser sondern schlechter. Wenn Verantwortung das Bewusstsein der eigenen Ursächlichkeit ist, dann werden wir darauf achten, dass durch den Zustand unseres Seins, durch die Beweggründe für unser Handeln sowie durch die Qualität und die Art unserer Handlungen etwas Förderliches von uns ausgeht, förderlich für uns selbst, für andere und das Ganze, dessen Teil wir sind. Die Welt ist, wozu wir, du und ich, sie machen.

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