Unser neues Zuhause und sein Architekt

Naaa, diesen Eintrag beginne ich nicht mit jooo (sh. vorherige Einträge). Ich beginne ihn heute einmal mit – naaa.

Naaa, das alte Gemäuer bietet keinen Schutz, keine Sicherheit, keine Wärme mehr. Es macht keinen Sinn mehr, darin zu verharren. Im Gegenteil, es ist gefährlich. Das Fundament (sh. vorletzten Eintrag) ist brüchig, die Mauern sind brüchig, das Dach ist brüchig. Das ganze Gebäude droht einzustürzen. Wir müssen da raus. Wir müssen aufbrechen in eine andere, in eine neue Zukunft, eine solche, die nicht die Fortsetzung des Vergangenen ist. Die Tatsache, dass wir vor einer so klaren Wahl stehen zwischen etwas, das uns kaputt macht, und etwas, das uns weiter bringt, liefert mir den Grund zu meinem Optimismus, dass wir es schaffen, uns ein neues, ein besseres Zuhause zu bauen.

Das Alte, die alten Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensmuster, die die Menschheitsgeschichte geprägt haben, basieren auf zwei falschen Annahmen:

  • Der Mensch stehe im Gegensatz zur Natur.
  • Der Mensch stehe im Gegensatz zu seinem Mitmenschen – das ICH im Gegensatz zum DU und das WIR im Gegensatz zum IHR.

Dieses Fundament menschlichen Selbstverständnisses ist verständlich aus der Steinzeit, als der Mensch die Natur als seinen größten Feind erlebte – Wind und Wetter, die er ertragen musste, das Wild, das er erlegen und gegen das er sich schützen musste, die Flüsse und Berge, die er überqueren musste…  Der Nachbarstamm, gegen den er sich, seine Frauen, sein Jagdrevier verteidigen musste… Bis zum heutigen Tag bekämpft der Mensch die Natur, bis zum heutigen Tag sieht er den anderen, die andere Familie, das andere Unternehmen, das andere Land, die andere Religion, die andere Rasse als seinen Feind, bis zum heutigen Tag sieht er sich in einem Gegensatz zur Natur und seinen Mitmenschen. Diese Denkweise ist jedoch nicht mehr zukunftstauglich. Wenn wir fortfahren, ihr zu folgen, haben wir keine Zukunft, oder zumindest keine gute, dann haben unsere Kinder und Kindeskinder keine gute Zukunft.

Es braucht ein neues Gebäude mit einem neuen Fundament. Betrachten wir unseren körperlichen Organismus! Er funktioniert dann, wenn das Zusammenspiel der einzelnen Organe und Muskeln und Gelenke und Knochen funktioniert, und wenn jeder einzelne Teil seine Aufgabe im Rahmen des Gesamtorganismus erfüllt. Der Gesamtorganismus wiederum sorgt für die Stärkung und das Wohlergehen der einzelnen Teile. Das Organ, welches alle anderen zu einem Ganzen zusammenfügt und zusammenhält, indem es sie mit Blut und Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, ist das Herz. Verschließt es sich, kommt es zu einem Infarkt und der gesamte Organismus bricht zusammen.

Nun ist das Herz nicht nur ein Muskel, es gibt auch so etwas wie ein psychisches Herz, ein Herzensbewusstsein, dessen Funktion darin besteht, Bruchstücke zu einem Ganzen zusammenzufügen – das Herz als integrative Instanz unseres Menschseins. Dieses Zusammenfügen geht allerdings nicht auf Kosten der einzelnen Teile. Die einzelnen Teile erhalten vielmehr erst ihren Sinn, ihre Existenzberechtigung im Dienste des größeren Ganzen. Zum Missverständnis des Steinzeitdenkens gehört die Idee, wir müssten uns verbiegen und verleugnen, wir gingen unserer Individualität verlustig, wenn wir uns in den Dienst eines größeren Ganzen stellten. Das Gegenteil ist der Fall. Wir erfahren Stärkung in unserer Einzigartigkeit, indem wir unsere Lebensaufgabe erfüllen. Das Ohr ist zum Hören da und die Zähne zum Beißen. Sie nützen nichts, wenn sie sich verfälschen und verleugnen sondern nur, wenn sie sie selbst sind. Anpassung, Selbstverleugnung, Selbstvergessenheit machen uns schlussendlich zu jenen Monstern, als die wir uns die ganze Menschheitsgeschichte hindurch erwiesen haben.
Alles Große, das die Menschheit hervorgebracht hat, jegliche Menschlichkeit ist geboren aus Nicht-Anpassung, aus Selbstsein, aus dem menschlichen Herzen.

Jene neue Sichtweise, die den Menschen endlich zum Menschen werden lässt, ist eine ganzheitliche – der einzelne Mensch versteht sich als Teil eines größeren Ganzen, in welchem ihm als Er-Selbst eine Aufgabe zukommt. Dieses größere Ganze versteht sich wiederum als Teil eines größeren Ganzen, in welchem ihm als Es-Selbst eine Aufgabe zukommt, und jenes größere Ganze ist Teil eines noch größeren Ganzen. Es steht also nie – wie im Steinzeitdenken – die Teilgröße im Gegensatz zu einer anderen Teilgröße und zum größeren Ganzen, sondern wirkt mit anderen im Dienste des größeren Ganzen zusammen. Das ist ein Paradigmenwechsel, ein Wandel des Bezugsrahmens unseres Wahrnehmens, Denkens und Handelns.

In dem neuen Gebäude ersetzt das Paradigma der Ganzheitlichkeit (Paradigma des Herzens) das steinzeitliche Verständnis, das Eine müsste sich gegen das Andere und den Rest der Welt durchsetzen. Letzteres wurde ja von Darwin bzw. seinen Jüngern zu einem Non-Plus-Ultra menschlicher Entwicklung erhöht. Freilich, die Schimpansen und sonstigen Viecher funktionieren nach diesem Prinzip. Wenn wir uns aber mit diesen gleichsetzen, müssten wir ganz schnell auf die uns zur Verfügung stehenden Technologien und das uns zur Verfügung stehende Wissen verzichten. Dann können wir wieder mit Steinschleudern aufeinander losgehen und würden die Natur nicht einmal durch unsere Ausscheidungen aus dem Gleichgewicht bringen, sie würden ihr sogar als Dünger dienen. Dann aber würden wir diesen Planeten auch nicht zu sieben und mehr Milliarden bevölkern sondern bestenfalls zu ein paar Millionen. Für die würden allerdings die Darwin’schen Gesetze ausreichen.

Im alten, dem steinzeitlichen Gebäude Darwins, fußen auf dem Fundament der Gegensätzlichkeit und Ausschließlichkeit die Mauern der Konkurrenz – das ganze Leben ein Wettbewerb. Und das Dach bildet die Gier – ich hab nicht genug, ich will meeeehhhr!!! Ein bisschen von der brüchig gewordenen Konkurrenz und der ebenso brüchig gewordenen Gier wird sich wohl auch in unserem neuen Zuhause wiederfinden. Die tragenden Mauern jedoch sind nicht mehr aus Konkurrenz sondern aus Kooperation gefertigt und das Dach nicht mehr aus Gier sondern aus Nachhaltigkeit.

Ist ein solcher Umzug aus dem alten in ein neues Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsgebäude überhaupt möglich? Hören wir doch auf zu glauben, es müsse alles so bleiben, wie es immer war, wir müssten heute noch nach den gleichen Mustern funktionieren wie damals, als wir noch in Höhlen hausten! Wenn wir diesen Glauben nicht losließen, würden wir es verdienen, dass wir bald wieder in Höhlen hausen. Aber unsere Kinder und Kindeskinder verdienen das nicht.
Deshalb lade ich ein zu glauben, dass Zukunft, dass Entwicklung, dass das Neue möglich ist. Und ich lade ein, dass wir uns gemeinsam auf die Suche nach der Zukunft, dem anstehenden Entwicklungsschritt und dem Neuen machen. Und dass wir dazu unser Herz fragen, dass wir unser Herz zum Architekten unseres neuen Zuhause machen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s