Lachen

Lachen – ist es das Ergebnis inneren Glücks oder dessen Verursacher? Oder ist es ein Mittel, uns selbst und andere über unser inneres Unglück hinweg zu täuschen?

Ja, in Momenten des Glücks neige ich dazu, zu lachen oder zumindest zu lächeln. Vielleicht neige ich auch dazu, zu scherzen und andere zum Lachen zu bringen. Der glückliche Mensch strahlt Glück aus und weckt das Glück auch in anderen. In meinem Glück genügt es mir nicht, glücklich zu sein, ich möchte, dass auch die anderen glücklich sind.

Ein mir sehr nahe stehender Mensch hat ein schweres Leben. Ihm ist aber die großartige Fähigkeit zu eigen, sich über alles Mögliche, das ihm im Leben begegnet, zu belustigen. Sein Lachen, sein Schmunzeln, seine witzigen Gedanken bringen ihn immer wieder in Kontakt mit dem ihm innewohnenden Fundus an Glück. Ein wunderbarer Mechanismus! Hätte er ihn nicht, wäre er wohl schon verzweifelt.

Von einem anderen Menschen in meinem engeren Umfeld will ich berichten. Auch sein Gesicht ist zumeist zu einem Lachen oder Lächeln verzogen. Aber es ist eine Lüge. Sein ganzes Leben ist eine Lüge, ein einziges Versteckspiel. Er schämt sich wohl für seinen Schmerz, sein Unvermögen, seine Ängste und überspielt sie mit Lachen, anstatt ihnen auf den Grund zu gehen. Ich wünschte, er wäre so ernst, wie es in ihm aussieht. Dann könnte ihm wahrscheinlich geholfen werden.

Ich selbst habe viel gelacht in meiner Jugend, mehr als heute. Der Alkohol half dabei, dass es lustig wurde. Und dass ich mich nicht mit mir selbst auseinandersetzen musste. Ich traf mich mit meinen Freunden, um es lustig zu haben. Mit mir allein hatte ich es weniger lustig. Außer wenn ich Klavier spielte. Zu Momenten des Glücks half mir nur die Musik.

Die Musik führte mich auf direktestem Wege in mein Herz, wo das Glück zu Hause ist und wie eine Geliebte auf mich wartet, wenn ich mir selbst verlustig gegangen bin. Es ist immer da, das Glück, ein unverbrüchlicher Teil meines Seins. Nicht „Ich denke, deshalb bin ich“ sondern „Ich bin glücklich, deshalb bin ich“. Es bedarf keines Anlasses, um glücklich zu sein, wenn auch die Musik, eine erfüllende Begegnung, eine tiefe Erkenntnis, eine Selbstüberwindung… den Bezug dazu herzustellen vermögen. Das Glück bleibt. Ich bin es, der sich mitunter davon entfernt. Und dann wieder dorthin zurückkehrt.

Es gibt freilich auch so etwas wie ein flüchtiges Glück – vielleicht über einen Sieg, einen Erfolg, eine Anerkennung, ein neues Auto oder Haus, einen Karriereschritt oder einen fetten Auftrag…, ein extrinsisches Glück, ein Glück, dem wir ständig nachlaufen müssen, während das eigentliche schon da ist und auf uns wartet. Mit dem Glück verhält es sich wie mit dem Igel und dem Hasen. Der Hase rennt, der Igel stellt lachend fest: Ich bin schon da. Da wo das Glück zu Hause ist.

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