WILLKOMMEN Herzlosigkeit!!!

Auf manche Sätze, so wahr und intelligent sie auch sein mögen, kann man nicht mehr zurückgreifen. Zu oft wurden sie von naseweisen und wichtigtuerischen Menschen zitiert, sodass sie bestenfalls als Brech- oder Abführmittel taugen. Ein solcher Satz ist – nein, es geht nicht, die Tasten meines Laptops weigern sich, ihn zu schreiben. Ich versuch’s mit einer List: Es liebt stichts Hutes, außer wann muht es. Kapiert?

In meinem letzten Eintrag habe ich vorwiegend den theoretischen Teil unserer Intervention bei dem Coaching Kongress in Verona präsentiert. Hier noch einige praktische Ergänzungen, denn Es liebt stichts Hutes, außer wann muht es.

Atemübung

  • Beim Einatmen den Atem von den Füßen heraufziehen bis zu den Haarspitzen und vor zu den Fingerspitzen, beim Ausatmen wieder zurück zu den Füßen (wie die Brandung des Meeres)
  • Nach einer Weile beim Einatmen die Hände über den Kopf heben wie ein Hampelmann und beim Ausatmen Hände wieder senken. Atem und Bewegung werden immer schneller und schneller, sodass die Hände über dem Kopf zusammenklatschen und dann wieder runter fallen. Dabei den Atem beim Einatmen immer von den Füßen in die Haar- und Fingerspitzen ziehen, beim Ausatmen zieht er sich wieder in die Füße zurück. Nachdem die größte Geschwindigkeit der Atemzüge erreicht ist, wieder verlangsamen.
  • Wenn der Atem ganz ruhig fließt. Hände auf’s Herz. In Gedanken beim Einatmen „Ich“, beim Ausatmen „bin“, beim Atmen „hier“, beim Ausatmen  „jetzt“ – „Ich… bin… hier.. jetzt“. Diesen dritten Teil fortsetzen nach Lust und Laune, auf jeden Fall bis spürbar Herzensenergie zu fließen beginnt und eine innige Stimmung entsteht.

Musik hören

Schlechte Musik ist wie eine Schnittpflanze – sie hat keine Wurzeln und verwelkt. Alle gute Musik stammt aus derselben Wurzel, der Stille. Die Stille bildet den Urgrund jeder guten Musik. Deshalb beim Hören guter Musik nicht auf die Musik hören sondern ganz aufmerksam auf die dahinterliegende Stille. Dadurch steigert sich der Musikgenuss um ein Vielfaches, und es öffnet sich das Herz.

Wahrnehmen statt denken

Wir vergeuden so viel Energie durch das Denken! Denken macht müde, strengt an. Und es trennt uns von uns selbst. Freilich, das Denken bleibt uns nicht erspart. Wie sollten wir, ohne zu denken, den Alltag bewältigen? Gleichwohl, oft wäre es besser, wir würden mehr wahrnehmen und weniger denken. Den Menschen, mit dem wir es zu tun haben, wahrnehmen, statt uns unsere Gedanken und Urteile über ihn zu machen. Die Situation, in der wir uns befinden, wahrnehmen, statt über sie nachzudenken. Unseren Körper wahrnehmen, unsere Empfindungen, Gefühle, ja selbst unser Denken wahrnehmen, statt uns von unseren Gedanken aus der Realität beamen zu lassen. Wenn wir wahrnehmen, sind wir präsent, wenn wir wahrnehmen, sind wir bewusst. Bewusstsein kommt nicht vom Denken sondern vom Wahrnehmen. Das Organ, mit welchem wir bewusst wahrnehmen, ist das Herz. Also, schauen wir mit dem Herzen auf andere Menschen, auf Situationen, auf uns selbst! Und was uns dabei hilft, ist das WILLKOMMEN, was wir wahrnehmen, bewusst willkommen zu heißen. Das WILLKOMMEN beugt dem vor, dass wir sogleich wieder urteilen über andere, über Situationen und uns selbst. Sobald wir urteilen, hören wir auf wahrzunehmen und folgen unserem Denken, nicht mehr unserem Herzen. Nur mit dem Herz sieht man gut (ich kann es gar nicht oft genug wiederholen).

Umarmen

Warum begrüßen wir einander mitunter durch eine Umarmung? Doch, um unserer Herzlichkeit Ausdruck zu verleihen. Wenn aber gar keine Herzlichkeit da ist, wenn es zwischen uns und dem anderen gar nicht von Herzen fließt? Dann wird die Umarmung wohl zur Farce. Betty Williams, auf die ich mich im letzten Eintrag schon bezog, hatte, aufgerüttelt durch ein schockierendes Erlebnis im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland, die Bewegung Women For Peace gegründet. Tausende, mitunter Zehntausende Frauen, Katholikinnen und Protestantinnen, trafen sich auf Plätzen, umarmten einander und marschierten gemeinsam für den Frieden auf. Die Umarmungen waren zwar einerseits Ausdruck der Entschlossenheit ihrer Herzen zu lieben, andererseits dienten sie aber auch dazu, die Herzen zu öffnen. Umarmungen können als Herzensöffner dienen, und zwar dann, wenn die innere Bereitschaft dazu da ist, und wenn die Umarmung so stattfindet, dass die Köpfe der Umarmenden rechts sind. Wenn wir uns umarmen und mein Kopf ist rechts vom deinen (dasselbe gilt für dich aus deiner Perspektive betrachtet), dann treffen bei der Umarmung unsere Herzen aufeinander, und das macht einen Riesen Unterschied. Ausprobieren!

Abschließend die Frage: Was bringt uns ein offenes Herz?  Die Frage ist insofern absurd, weil das Herz dazu da ist, offen zu sein. Es entspricht seiner Natur. Schauen wir nur auf die Kinder! Aber bleiben wir dabei: Was bringt uns ein offenes Herz? Wenn wir uns vergegenwärtigen, was wir davon haben, fällt es uns vielleicht leichter, diesem Thema unsere Aufmerksamkeit zu schenken und immer mehr eine Kultur des Herzens in unserem Leben zu entwickeln.

  •  Wir fühlen uns besser. Wir fühlen uns mehr als wir selbst, mehr bei uns selbst angekommen. Und wir leben daher authentischer, mehr in Übereinstimmung mit uns selbst, spannungsfreier und, in der Folge, gesünder. In dem Maße, in welchem wir uns selbst  erkennen und wahrnehmen,  kommunizieren wir authentischer, gestalten wir unsere Beziehungen klarer, verstricken wir uns weniger in Abhängigkeiten und unwürdige Spielchen, sondern kooperieren umso mehr miteinander aus innerer Freiwilligkeit und Verantwortung.
  • Wenn wir miteinander kooperieren, sind wir als Gemeinschaft stark. Wenn wir gegeneinander arbeiten, vergeuden wir unsere Energien und kommen nicht in dem Maße weiter, wie es möglich wäre. Dasselbe gilt auch für uns selbst. Wenn die einzelnen Teile unseres gesamten Seins zusammenwirken, sind wir stark und fähig, eine große Wirkung zu erzeugen. Befinden sie sich jedoch im Konflikt, schaffen wir uns selbst und anderen Probleme. Diese Probleme sind nur lösbar, wenn wir die integrative Kraft unseres Herzens aktivieren. Das Herz ist die zusammenführende Instanz unseres Menschseins.
  • Kinder können wir nur mit dem Herzen verstehen, nur mit dem Herzen werden wir ihnen gerecht. Eltern, Lehrer und sonstige Erwachsene, die keinen Zugang zu ihrem Herz haben, lassen ihre Kinder, so sehr sie sich auch bemühen mögen, draußen vor der Tür.  Das ist dramatisch für die Kinder und, in weiterer Folge, auch für die Eltern und Lehrer. Sie werden es zu spüren bekommen.

Der Argumente genug? Nein? Gut, dann werde ich bei Gelegenheit noch das eine oder andere  hinzufügen. Für heute nur noch eine letzte Klarstellung: Das Herz zu öffnen ist bei Weitem nicht nur ein Willensakt. Es ist ein Prozess, der erfordert, dass man das Eine tut und Anderes weglässt. Eines, das es auf jeden Fall wegzulassen gilt, ist, sich selbst wegen seiner Herzlosigkeit zu verurteilen. Genau dadurch würden wir uns von unserem Herzen abspalten. Auch unsere Herzlosigkeit wird von unserem Herzen willkommen geheißen. WILLKOMMEN Herzlosigkeit!!!

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