Piep

Ich blicke aus dem Fenster. Sitzt da ein Spatz auf dem Gesimse, dreht sein Köpfchen munter nach links, nach rechts, zirpt lustig vor sich hin. „Was will er sagen?“, frage ich mich. Er will wahrscheinlich gar nichts sagen, gar nichts erreichen. Er zirpt, weil es in seiner Natur liegt, zu zirpen.

Ein befreiendes, ein lösendes Gefühl überkommt mich, während ich dies feststelle. Ich singe, ich tanze, ich laufe, ich schreibe, ich halte Seminare, ich lache, ich weine, ich bringe mein Haus in Ordnung, ich liebe, ich kooperiere…, nicht, um etwas zu erreichen, sondern einfach als Ausdruck meiner selbst. Handeln ohne Hintergedanken. Das ist Leben!, spür‘ ich.

Auch diesen Blog zu schreiben, unabhängig davon, ob ihn jemand liest oder nicht, ob ihn jemand gut findet oder nicht, ob er etwas bewirkt oder nicht, das ist Leben. Wir wirken ja doch immer. Durch alles, was wir tun oder nicht tun, denken oder nicht denken, erzeugen wir Wirkung. Es ist gar nicht notwendig, etwas bewirken zu wollen, jemanden von etwas überzeugen zu wollen, etwas Positives stimulieren zu wollen. Die positivste Wirkung habe ich wohl, wenn gar nichts bewirken will. Wie dieser Spatz.

Wozu dann? Wozu einen Blog schreiben oder sich mit sonst etwas abmühen? Wozu soll ich mein Kind wickeln, wenn nicht zu dem Zweck, dass es wieder sauber ist? Ja, könnte ich es nicht einfach wickeln als unmittelbaren Ausdruck meiner Liebe? Wozu soll ich joggen gehen, wenn nicht zu meiner körperlichen Ertüchtigung? Könnte ich nicht einfach laufen um des Laufens willen? Wozu sollte ich mich schön kleiden, wenn nicht, um gesehen, akzeptiert, geachtet zu werden. Und wenn ich mich einfach schön kleidete, aus Freude, festlich gekleidet zu sein? Könnte ich nicht einfach leben um des Lebens willen?

Ich bin ein kleiner Spatz

und weiß schon einen Satz.

Ich kann schon sagen „Piep!

Liebe Mama, ich hab dich lieb.“

Diesen Spruch hat mein Enkelkind gerade gelernt.

Und wenn ich, ohne Hintergedanken, ohne irgendetwas damit erreichen zu wollen, einfach als Ausdruck meiner selbst zirpte:

„Ich bin ein kleiner Spatz

und weiß schon einen Satz.

Ich kann schon sagen „Piep!

Liebe LeserInnen und Leser, ich hab euch lieb.“

Was dann?

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