Zukunft Freude

Wenn das Leben freudlos ist, läuft wahrscheinlich etwas falsch. Immer wenn wir uns im Fluss des Lebens fühlen, ist damit auch Freude verbunden. Ein starker Beziehungsfluss zieht Freude nach sich, ebenso wie wenn wir in unserer Arbeit so richtig was weiterbringen, oder wenn wir uns entspannen und wieder ankommen bei uns selbst. Freudlosigkeit könnten wir als Hinweis dafür erkennen, dass wir das Leben nicht richtig leben oder, positiv ausgedrückt, als Aufforderung, etwas zu korrigieren, weiterzuentwickeln, uns mit dem Leben zu synchronisieren.

Freilich ist das Leben nicht immer lustig, aber muss es deshalb auch freudlos sein? Es gibt Schöneres als krank zu sein. Und trotzdem haben wir vielleicht schon erlebt, dass wir uns halb tot vor Fieber ins Bett kuschelten und uns dabei so richtig glücklich fühlten. Ich habe Menschen gekannt, die mit unheilbaren Krankheiten jahrelang kaum mehr aus dem Bett kamen und doch in der Lage waren, andere zu trösten und ihnen Freude zu vermitteln. Schwächen zu haben, Fehler zu machen, anderen oder sich selbst Schaden zuzufügen ist zwar unangenehm, und doch kann es so richtig wohltun, zu seinen Schwächen und Fehlern zu stehen, kann es uns stärken, einen Schaden den wir angerichtet haben, wieder gut zu machen. Uns mit letzter Kraft auf einen Berg hinaufzuschleppen, ist nun nicht das Allerbequemste, aber es macht uns mitunter froher, als zu Hause auf der faulen Haut zu liegen. Es braucht nicht immer angenehm zu sein, damit wir Freude erleben.

Probleme und Konflikte gehören zu unserem Leben. Sie sind ein unvermeidbarer Bestandteil des Lebens. Wir könnten dies nun zum Anlass nehmen, mit dem Leben zu hadern. Ob es dadurch besser wird? Will uns das Leben wirklich quälen, indem es uns Probleme und Konflikte aufbürdet? Oder will es uns einfach nur sagen, “Komm, beweg‘ dich, so geht’s nicht weiter, du musst was verändern!“ Das Leben scheint uns bedingungslos freudvoll zu wollen. Zur Freude gerät es uns aber nur in dem Maße, in welchem wir die inneren und äußeren Entwicklungsschritte, zu denen es uns aufruft, vollziehen. Es lässt uns nicht ruhen, das Leben treibt uns immer weiter in unserer Reifung, in der Entfaltung unserer Potenziale und der Potenziale, die in unseren Beziehungen und Gemeinschaften angelegt sind.

Was hat man uns alles beigebracht! Wieviel Wissen und Können! Aber hat man uns auch beigebracht, auf das Leben zu hören, uns mit dem Leben in Einklang zu bringen und in der Folge freudvoll zu leben? Gibt es Wichtigeres? Viele Menschen halten es sogar für schändlich, freudvoll zu leben. Man müsse doch seine Pflicht erfüllen, man müsse auf seine Karriere schauen, man müsse Geld verdienen, man müsse Regeln befolgen, man müsse treu sein … Und das Müssen, die Unterwerfung des Individuums unter ein wie immer geartetes System, steht tatsächlich der Freude im Wege. Natürlich erleben auch diese Menschen Freude, wenn sie Anerkennung innerhalb ihres Systems erfahren, wenn sie stolz sein können auf ihr System, wenn sie in einem Konflikt Recht behalten oder obsiegt haben …, aber ist es das, was wir unter einem freudvollen Leben verstehen? „Willst du Recht behalten oder glücklich sein?“, vor diese grundsätzliche Entscheidung stellt uns das Leben, wie Marshall B. Rosenberg, der Begründer der gewaltfreien Kommunikation deutlich macht.

Und dann gibt es die anderen die meinen, wenn sie sich die Sonne auf den Bauch scheinen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, das wäre Freude. Nur nicht sich einlassen, nur keine Verantwortung übernehmen, sich das Leichte, Lustige aus dem Leben herauspicken und allem anderen aus dem Wege gehen! Soweit irgendwelche Menschen zur Lustgewinnung zur Verfügung stehen sind sie willkommen, ansonsten sind sie irgendwelche Menschen, die sie nichts angehen. Auch sie werden wohl ihre Freuden erleben – im Austausch von Oberflächlichkeiten kann durchaus ein wenig Beziehungsfluss zustande kommen, auch Drogen können dazu beitragen, und Sex ist auch dann oft lustig, wenn der Beziehungsaspekt weitgehend ausgeklammert ist. Gut Essen, Reisen, schönes Wetter, ein bisschen tanzen, vielleicht sogar Kunst, auf der Jagd danach, das Leben ein wenig aufzuheitern, mag das alles durchaus nützlich sein. Wenn ich jedoch der Freude in mehr oder weniger zwanghafter Weise nachjagen muss, und vor allem, wenn ich in noch viel zwanghafterer Weise all das zu vermeiden suche, was irgendwie unangenehm werden könnte, ob das die wahre Freude ist?

„Zukunft Freude“ ist ein Kapitel aus meinem Buch „THE WAY TO FUTURE“ (Arbeitstitel) an dem ich gerade arbeite. Das ganze Kapitel ist bis Ende Juli auf www.FUTURE.at zu finden.

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