Eine kleine Nachwahlbetrachtung

Die FPÖ hat also einen Erdrutschsieg errungen in der Steiermark und im Burgenland. Glückwunsch von uns aus Zypern! Glück werden wohl auch die lieben Nachbarn aus Kärnten wünschen, die zumindest kurzfristig aus Erfahrung klug geworden zu sein scheinen.

Das Wahlverhalten wird ja bekanntlich nur zu einem geringen Teil von rationalen Motiven bestimmt. Es sind die emotionalen, die die meisten von uns unwiderstehlich da oder dorthin ziehen, in die brave, etwas langweilige Mitte, zu den Gutmenschen links von der Mitte, denen alles lieb ist, was anders ist, während sie das Eigene eher gering schätzen, und zu den ewig Gestrigen rechts von der Mitte, die alles hassen, was anders ist und in chauvinistischer Weise das Eigene glorifizieren, oder, besser noch, das Eigene als Opfer bzw. in Gefahr wähnen. „Zuerst denken, dann reden!“, empfiehlt man manchen Plappermäulern. „Zuerst denken, dann wählen!“, möchte man auch manchen emotionalen WählerInnen zurufen.

Es hätten weniger regionale als bundespolitische Themen den Ausschlag gegeben, „hat er g’sagt“, der Fernseher. Und es ist wahr, die Performance der Bundesregierung erscheint etwas mittelmäßig – ich überlasse es den Medien, die einzelnen unbewältigten Themen aufzulisten. Aber warum ist die Performance der Bundesregierung mittelmäßig?

Mag schon sein, dass einige ihrer Mitglieder einen etwas mittelmäßigen Eindruck hinterlassen, aber in erster Linie besteht das Dilemma doch darin, dass jede der Regierungsparteien mit Zähnen und Klauen ihr eigenes Klientel verteidigt und dabei das Ganze des Staatswesens hintanstellt. Gott sei Dank haben wir die EU, die dem lahmenden Pferd der österreichischen Politik immer wieder die Sporen gibt!

Nun hätten viele die FPÖ gewählt, um die Regierung „abzustrafen“ heißt es. Großartig! Die FPÖ ist jene Partei, die sich am liebsten von der EU abschotten möchte, die FPÖ ist jene Partei, die die Bevölkerung weit mehr noch, als es SPÖ und ÖVP tun, spaltet und gegeneinander aufbringt, die FPÖ hat immer nur ihre Unwilligkeit ausposaunt, das größere Ganze in den Mittelpunkt zu stellen und hat dies während ihrer Regierung bis zum Überdruss bewiesen. Und was die Mittelmäßigkeit ihrer Proponenten betrifft, braucht man sich nur an die einstigen FPÖ Minister erinnern. Im Vergleich dazu erscheinen mir die Hundsdorfers, Kurz‘, Schellings, Rupprechters, … der jetzigen Regierung geradezu als geistige Titanen. Die FPÖ als die Lösung für die Reformunfähigkeit der Regierung zu wählen, mein lieber Mann, ob das g’scheit war? Zuerst denken, dann wählen!

Ich zweifle daran, dass das Motiv, die Regierung abzustrafen, für viele WählerInnen ausschlaggebend war, FPÖ zu wählen. Ich habe den Verdacht, dass das Profil der Antiausländer- und Anti-EU-Partei als Argument dafür schon reicht, trotz der Erfahrungen mit dem Schüssel-Haider-Pakt, trotz der de facto Pleite Kärntens, trotz der äußerst mittelmäßigen Repräsentanten dieser Partei und trotz der Tatsache, dass alle diese Anti-Europa- und Anti-Ausländer-Parteien höchst brüchige Gebilde darstellen – die FPÖ ist zerbrochen, der AfD in Deutschland droht gerade ein ähnliches Schicksal, in Frankreich rittern sogar Vater und Tochter Le Pen gegeneinander … Und ich gehe davon aus, dass der überwiegende Teil derjenigen, die aus Angst vor Überfremdung FPÖ gewählt haben, es noch gar nie mit irgendeinem Flüchtling zu tun bekommen hat, und dass der überwiegende Teil derjenigen, die es mit Flüchtlingen zu tun bekommen haben, nicht die FPÖ gewählt hat – der Ausländer als Phantom. Die Ausländer, die im Alltag des Durchschnittsösterreichers tatsächlich vorkommen, sind ohnehin weitgehend österreichische Staatsbürger oder EU Bürger, und die wird auch ein HC Strache nicht vertreiben.

Ja, „Geiz ist geil“ und „Ich habe ja nichts zu verschenken“, mit solchen Parolen kann man tatsächlich Werbung machen, und diejenigen, die sich davon ansprechen lassen, werden wohl auch auf den gegen andere gerichteten Heimatbegriff positiv reagieren. Der Fernseher sagt, es handle sich bei dieser Wählergruppe um Menschen, die Angst haben zu verlieren. Dann haben also die Looser einen Erdrutschsieg errungen. Nochmals Glückwunsch! Und diese Looser sollen nun zukünftig Österreichs Politik bestimmen?

Der Fernseher, der gute, müht sich redlich, eine freundliche Stimmung in der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen zu schaffen. Der Erfolg ist, wie man sieht, begrenzt. Einerseits, weil an denjenigen, die meinen, Geiz sei geil, und sie hätten nichts zu verschenken, dieses Bemühen nur fehlschlagen kann, andererseits liegt vielleicht ein Grund dafür auch in der Tatsache, dass man den Islam vorwiegend schönredet, die Problematik dieser Religion (wie auch anderer Religionen) jedoch aus einem, wie mir scheint, falsch verstandenen Respekt hingegen unerwähnt lässt. Man möchte nicht Öl ins Feuer der Islamophobie gießen, und das ist auch gut so, weil sich die sogenannte Islamophobie ja nicht gegen die problematischen Aspekte des Islam sondern gegen die Menschen islamischen Glaubens richtet. Gleichzeitig wird der Begriff Islamophobie, ebenso wie jener des Antisemitismus, dazu missbraucht, jede berechtigte Kritik und Infragestellung im Keim zu ersticken. Das tut dem Islam nicht gut und nährt das Feuer, in das man kein Öl gießen möchte. Alles muss hinterfragbar sein, auch der Islam, auch der jüdische und der christliche Glaube. Was sich nicht hinterfragen lässt, verkommt.

Voriges Wochenende hat man in dem kleinen Tiroler Ort Terfens (ein richtiges FUTURE-Nest) ein Sportfest mit den dort untergebrachten Flüchtlingen organisiert – ein für alle Seiten beglückendes Ereignis. Freilich hatte es auch in Terfens Widerstände gegen die Flüchtlinge gegeben, und ich habe Verständnis dafür. Alles Unbekannte macht zunächst Angst. Wenn es die Menschen dann ganz real gibt, wenn man mit ihnen in Kontakt tritt und ihnen in die Augen schaut, wenn die Kinder (gibt es tatsächlich „unsere“ Kinder und „eure“ Kinder?) miteinander spielen, dann weicht auch die Angst. Wahrscheinlich haben die Flüchtlinge noch viel mehr Angst, so ausgeliefert in einer für sie fremden Welt, wie sie sind. Schwierig wird es, wenn die Ideologie auf den Plan tritt, sei es die „völkische“ Ideologie der Deutschnationalen, oder eben eine religiöse. Dann schiebt sich die Ideologie zwischen die Menschen, und sie erreichen einander nicht mehr.

Ich hatte vor einiger Zeit ein Gespräch mit einem hohen Repräsentanten des Roten Kreuzes. Er erzählte mir von einer berührenden Hilfsbereitschaft der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen. Die erste Reaktion sei zwar Abwehr, wenn man Flüchtlinge irgendwo unterbringen wolle, dann allerdings zeige sich eine große Bereitschaft, die Menschen aufzunehmen und zu unterstützen. Es ist nicht alles „Geiz ist geil“ und „Ich hab ja nichts zu verschenken“ in unserer Gesellschaft. Ganz im Gegenteil. Es gibt viele, viele Menschen, deren Herz sehr wohl etwas zu verschenken hat. Nicht der Geiz sondern das Herz ist geil.

Ein Kommentar zu “Eine kleine Nachwahlbetrachtung

  1. Zur Politik:

    wer ist wohl Schuld dran wenn sich 2 Politiker dran machen vom Volk lauthals geforderte Reformen (ungeachtet der Interessen ihres jeweiligen Klientels) anzugehen und dann mit gravierenden Stimmenverlusten abgewatscht werden?

    Flüchtlinge:

    Wolfgang schreibt richtig von der Angst vor dem Unbekannten.
    Ich habe nur geringfügig bei einem Projekt mitgearbeitet, Mitleid und Neugier war der Grund ….. aber die Erkenntnis herzliche und dankbare Menschen kennengelernt zu haben war der Dank!
    Vielleicht sollte jeder im Bereich seiner Möglichkeiten versuchen seine Neugier zu stillen und damit die Angst vor dem Unbekannten leichter zu verlieren. Damit würden auch die Hetzer und Angstmacher an Wirkung verlieren!

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