Teil des Problems oder Teil der Lösung?

Ertappst Du Dich mitunter beim Jammern? Empfindest Du, dass Du ein Problem hast? Fühlst Du Dich als Opfer? Kreisen Deine Gedanken rund um das Ungelöste? Wenn Du Dich darin wohlfühlst, vielleicht weil Du es liebst, bedauert zu werden, oder weil es Dir ein Anliegen ist, andere als Übeltäter erscheinen zu lassen, dann weiter so!

Willst Du jedoch raus aus dem Gefangensein im Problem, willst Du ein richtig gutes Leben, dann lenke den Scheinwerfer Deiner Aufmerksamkeit weg vom Problem hin zur Lösung! Frage Dich: Wie sieht’s aus, wenn’s gelöst ist, wenn es grundsätzlich und vollständig gelöst ist? Wie ist der Zustand gänzlicher Gelöstheit des jeweiligen Problems?

Das Argument, es gäbe für eine bestimmte Situation keine Lösung, dieses Argument würde ich, bei aller Vorsicht, nicht gelten lassen. Geh von der Annahme aus, dass jedem Ungelösten seine Lösung innewohnt! Mehr noch: Alles Ungelöste drängt nach Lösung, schreit nach Lösung. Denk an die Musik! Tendiert nicht jede Dissonanz danach, sich in einer Konsonanz aufzulösen? Denk an den Körper! Drängt nicht jede Dysbalance, jede Spannung danach, wieder ins Gleichgewicht und in die Ruhe gebracht zu werden? Denk an Beziehungen! Will nicht jeder Konflikt wieder bereinigt werden? Alles Ungelöste schreit nach Lösung, und diese Lösung ist – zumindest potenziell – schon da. Die Lösung ist – wie der weiße Punkt im schwarzen Feld des Yin und Yang Zeichens – Teil des Ungelösten. Es ist tröstlich darauf zu vertrauen, weil es die Natur so vorgibt.

Manchmal liegt die Lösung ja auf der Hand. Es ist ein Leichtes, herauszufinden, welche die Lösung ist, und wie man sie erreicht. Häufig allerdings besteht die Herausforderung darin, zu verstehen, wie es aussieht, wenn die Situation gänzlich gelöst ist, worin sie liegt, die wirkliche Lösung. Die Problembeseitigung ist oft noch nicht die Lösung. Ein Mensch leidet an einer fiebrigen Erkältung. Er nimmt die vom Arzt verordnete Medizin ein. Nach wenigen Tagen ist er wieder auf den Beinen. Allerdings beim nächsten kühlen Windhauch fängt er sich erneut eine Erkältung ein. Das Problem war zwar kurzfristig beseitigt, allein die Lösung ist eine andere. Eine Ehe ist zerrüttet. Man trennt sich. Das Problem mag damit vom Tisch sein, aber gelöst ist noch gar nichts, weder in der Beziehung noch für jeden der beiden Partner persönlich. Ein Lehrer kommt mit einem bestimmten Schüler nicht zurecht. Er bewirkt, dass der Schüler in eine andere Klasse versetzt wird. Das Problem scheint auf diese Weise eliminiert, aber zu einer Lösung ist es nicht gelangt. Allzu bald werden sich, wie beim Drachentöter, zwei Schüler einstellen, mit denen dieser Lehrer nicht zurechtkommt, und später vier usf. In vielen Lebenslagen mag die Problembeseitigung zunächst einmal zu einer Erleichterung führen. Vielleicht bildet sie sogar die Voraussetzung dafür, den eigentlichen Lösungszustand zu finden. Sie ist aber zumeist noch nicht die Lösung selbst.

Wie findest Du zur eigentlichen Lösung? Wie findest Du dahin, dass ein Thema gänzlich gelöst ist? Ich will Dir zunächst sagen, wie Du sicherlich nicht dahin findest: Indem Du davon ausgehst, der andere wäre die Ursache Deines Problems und, in der Folge, versuchst, ihn zu verändern. Deine Chance, beim Lotto zu gewinnen, ist um vieles höher als jene, zu einer Lösung zu gelangen, indem Du auf den anderen einwirkst, dass er sich verändere. Es gibt kein effektiveres Misserfolgsprinzip als dieses.

Wenn Du ein Problem hast, dann bist Du ursächlich daran beteiligt. Wärest Du’s nicht, dann würdest Du die Situation nicht als Problem empfinden. Der Ehemann einer Coaching Partnerin machte in seiner Firma einen Karrieresprung. Er verdiente nicht nur mehr, sondern er arbeitete auch mehr und war mit seinen Gedanken auch in seiner Freizeit oft in der Firma. Seine Frau reagierte darauf überaus empfindlich. Sie vermeinte, ihr würde Unrecht getan, machte ihm Vorhaltungen, entzog sich ihm, bis die Ehe schließlich Gefahr lief, in Brüche zu gehen. Gleich im ersten unserer Coaching Gespräche erinnerte sie sich, dass ihre Mutter immer geklagt hatte, sie wäre nur die zweite Wahl für ihren Vater. Tatsächlich fühlte sie sich genau wie ihre Mutter und verhielt sich auch ihrem Mann gegenüber, wie sich ihre Mutter ihrem Vater gegenüber verhalten hatte. Sie erkannte, dass sie nicht nur Opfer der Veränderungen ihres Mannes war, sondern das Problem selbst mitverursachte. Und diese Erkenntnis half ihr, aufzuhören, ihren Part des Problems zu kreieren, aufzuhören, Teil des Problems zu sein. Teil der Lösung wollte sie sein. Und so beschloss sie, den mangelnden Selbstwert ihrer Mutter dort zu belassen, wo er hingehört – bei ihrer Mutter nämlich – und sich in ihrem eigenen Wert anzuerkennen. Vor allem wollte sie ihre Befindlichkeit nicht mehr davon abhängig machen, ob ihr Mann eine Stunde früher oder später nach Hause kam, und wie sehr er seine Gedanken von Firmenthemen vereinnahmen ließ. Auf diese Weise vollzog die Frau einen Entwicklungssprung in ihre eigene Autonomie, und auf der Basis dieser Autonomie fiel es ihr leicht, Verständnis für ihren Mann aufzubringen. Das Problem löste sich auf wie eine Wolke am Himmel, weil sie aufhörte, es mit zu kreieren.

Was lernen wir aus diesem Beispiel?

  • Oft ist es schwer, die eigene Ursächlichkeit zu erkennen. Aber es lohnt sich, sie zu suchen, weil die Erkenntnis der eigenen Ursächlichkeit einen heilsamen Entwicklungsschritt ermöglicht.
  • In diesem Entwicklungsschritt liegt die Lösung.
  • Wenn wir den eigenen Beitrag zur Entstehung des Problems nicht finden, hilft mitunter ein Gespräch mit einem kompetenten Menschen wie einem Coach oder Therapeuten.
  • Nicht immer lässt sich die äußere Situation verändern, aber unsere Einstellung dazu ist auf jeden Fall veränderbar.

Das Leben scheint so angelegt zu sein, dass es uns immer und immer wieder vor Herausforderungen stellt mit dem Auftrag, sie zu lösen. Der Zweck dieses Spiels liegt offensichtlich in der Einladung, uns zu entwickeln, immer fähiger, immer mehr Mensch, immer mehr wir selbst zu werden, immer mehr die uns innewohnende Liebe in die Wirkung zu bringen. Diese Herausforderungen mögen unangenehm, manchmal richtig bedrohlich sein, aber sie bergen die Chance in sich zu einem richtig guten, zu einem immer besseren, immer gelösteren, immer glücklicheren Leben. Sicherlich nicht dienen sie dazu, im Ungelösten zu verharren und zu jammern. Ein richtig gutes Leben ergibt sich daraus, dass wir uns einlassen auf das Spiel, auftretende Dissonanzen in Konsonanzen aufzulösen, auftretendes Ungleichgewicht in eine neue Balance zu bringen, auftretende Konflikte in Fortschritt und ein besseres Miteinander münden zu lassen. Locker und gelöst leben geht nur, wenn wir uns immer wieder in einen gelösten Zustand bringen, immer wieder einen gelösten Zustand in uns und in der Außenwelt herstellen. Nur nicht, sich zum Opfer ungelöster Situationen zu machen! Nur nicht im Gejammer verharren! Wir können Teil der Lösung sein. Wir können Gestalter unseres Lebens sein. Wir sind unseres eigenen Glückes Schmied, Schmied unseres richtig guten Lebens.

Ein Kommentar zu “Teil des Problems oder Teil der Lösung?

  1. Danke Wolfgang. Macht es meiner Erfahrung nach langfristig leichter und friedlicher, den anderen nicht die Schuld in die Schuhe zu schieben. Kurzfristig ist es manchmal heftig die Einladung auf die Theaterbühne nicht anzunehmen.
    Alles Liebe
    Bertl

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